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Bratranek über die polnische Literatur PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Sonntag, den 01. Juni 2008 um 16:42 Uhr
Die erste deutsche Ausgabe der Reisebriefe von Antoni Edward Odyniec wurde unter dem Titel „Zwei Polen in Weimar“ von Franz Thomas Bratranek in Wien herausgegeben. Dazu schrieb Bratranek folgende Einleitung, in der er die Entwicklung der polnischen Literatur von Klassizimus zur Romantik behandelt. Diejenigen, die meine Ausgabe „und Goethe lächelte. Adam Mickiewicz in Weimar“ kennen, können ihr Wissen um diese Abhandlung erweitern.
Richard A. Kosowski

Einleitung zur Ausgabe der Briefe von Antoni Edward Odyniec „Zwei Polen in Weimar“ von 1870

Die Mitte der Zwanziger-Jahre unseres Jahrhundertes bildet einen eigentümlichen Einschnitt in der Entwicklung der neueren polnischen Literatur, welche gleich mit der Beendigung des Wiener Kongresses und in der demselben folgenden hoffnungsreichen Periode aller öffentlichen Zustände eine von der bisher als einzig richtig geltenden Bahn wesentlich verschiedene Richtung eingeschlagen hatte. Es beginnen sich nämlich mit Entschiedenheit jene Elemente zu erheben, deren Kampf ums Dasein sich zu einem Literaturkriege zwischen dem Klassizismus und Romantizismus gestaltet, welcher zuletzt durch Mickiewicz zum vollen Siege des neuen Prinzipes durchgeführt wird.
Bis zu den Zeiten des Wiener Kongresses hatten die Anhänger jener Richtung, welche als die Literatur der Stanislaus-August-Epoche bezeichnet wird, die unbestrittene Herrschaft im geistigen Leben Polens; und diese Richtung war, wie alles, was auf Stanislaus August zurückgeführt werden kann, eine Nachbildung des Französischen. Und wenn allen kontinentalen Regierungen Europas im achtzehnten Jahrhunderte das Gebaren Ludwig XIV. als Ideal vorschwebte, wenn alle ihre Reformbestrebungen mit größerer oder geringerer Selbstklarheit dahin abzielten, den Staat in der Person des Herrschers, und mochte er sich auch höchst bescheiden als den Diener aller Diener, als den ersten Beamten selber bezeichnen, zu einer ausschließlich und unbedingt bestimmenden Macht zu konzentrieren, so kamen in Polen noch eigentümliche Motive für das Herübertragen des Französischen hinzu.

 

Der letzte wahrhaft nationalgewählte König, Stanislaus Leszczyński, wurde als Herrscher von Lothringen ein Halbvasall Frankreichs, seine Tochter die Gemahlin des französischen Königs; um die Wechselwirkung mit der Heimat nicht zu verlieren, hatte er eine polnische Schule in Lüneville gegründet; und Stolz und Freude für ihn war es, die Besten seines Volkes als Gäste bei sich bewirten und sich in ihrer Mitte als den ersten Bürger des Vaterlandes bezeichnen zu können.
Das Alles fand seinen Widerklang bei Stanislaus August; und wie er bei seiner Donnerstagsmahlzeiten alle Aufstrebenden ohne Unterschied des Standes und Berufes, Dichter wie Krasicki und Karpiński, und Gelehrte wie Naruszewicz und Konarski und wie sie sonst heißen mochten, gerne um sich hatte; wie er in seinem eigenen Schlosse ein weitläufiges Büro einrichtete, damit der Historiker sich ungestört seinen Forschungen hingeben könne; so kam ihm und dem französischen Principe formeller Abgeschlieffenheit und Korrektheit die Eigentümlichkeit seines Volkes aufs empfänglichste entgegen; und diese ganze Bildungsrichtung wurde durch die von Piaristen geleiteten adeligen Convicte in Warschau, Wilna, Posen, Lemberg aufs erfolgreichste propagiert.

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Die gesamte Einleitung von Franz Thomas Bratranek zu seiner Ausgebe der Briefe von 1870 würde ich auf Anfage gegen eine Schutzgebühr von 5 Euro als PDF senden.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. Juni 2008 um 18:30 Uhr